Home

 

Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen – zukunftsweisendes Instrument der nachhaltigen Entwicklung

Das international hochaktuelle Konzept der Ökosystemdienstleistungen (ÖSD) zielt darauf ab, den vielfachen Nutzen der biologischen Vielfalt und intakter Ökosysteme aufzuzeigen und in marktwirtschaftlich orientierte Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Dadurch besteht die Chance, dass die ökologischen Leistungen bzw. Gratis-Naturkräfte erhalten bleiben und der fortschreitenden Verschlechterung der natürlichen Lebensbedingungen durch Überbeanspruchung entgegen gewirkt wird. Die ÖSD bieten einen interessanten Denkansatz und handlungsorientierten Rahmen. Das Konzept vermag Entscheidungsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft maßgeblich zu bereichern, indem die Leistungen der Ökosysteme transparent für Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit vermittelt werden.

Die Attraktivität des Ökosystemdienstleistungs-Ansatzes fußt auf ihrem integrativen, inter- und transdisziplinären Charakter sowie auf der Verbindung von Umwelt- und sozio-ökonomischen Konzepten. Ökosystemdienstleistungen bilden die Schnittstelle zwischen Ökosystemen und menschlichem Wohlbefinden. Die hohe Politikrelevanz von Ökosystemdienstleistungen kommt u.a. im weltweiten Millennium Ecosystem Assessment (2005) sowie in der internationalen TEEB-Studie (The Economics of Ecosystems and Biodiversity - 2010) und in zahlreichen, mittlerweile initiierten nationalen TEEB-Prozessen zum Ausdruck.

Beispiele für Ökosystemdienstleistungen (ÖSD):

Versorgungs-ÖSD

  • Bereitstellung pflanzlicher Biomasse als Nahrungs- und Futtermittel sowie als Industrierohstoff und Energiequelle
  • Bereitstellung von Wasser (Trink- und Brauchwasser aus Oberflächengewässern und Grundwasser)

Regulations-ÖSD

  • Aufrechterhaltung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit: Bodenbildung, Bodenschutz vor Erosion Vernässung, Austrocknung, Verdichtung
  • Wasserrückhalt, Abflussausgleich, Hochwasservermeidung
  • Leistungen zum Klimaschutz: Kohlenstofffixierung
  • Erhaltung der Arten- und Formenmannigfaltigkeit (Biodiversität)
  • Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen

Sozio-kulturelle ÖSD

  • Bereitstellung annehmbarer / attraktiver Wohn- und Lebensbedingungen, ästhetische Werte (Landschaftsbild)
  • Gelegenheiten für Erholung und Tourismus
  • Inspiration zu Kultur, Kunst, Design
  • (Bio-)Indikation von Umweltzuständen

Besonderheiten des Ost-Erzgebirges

Ökosystemdienstleistungen sind nicht an unberührte Natur gebunden, sondern werden auch durch vom Menschen veränderte Ökosysteme bereitgestellt, wie sie in den Kulturlandschaften Mitteleuropas vielfach vorherrschen, so auch im   (Ost-)Erzgebirge. Hier ist unter den spezifischen Naturbedingungen und der jahrhundertelangen wirtschaftlichen Nutzung eine einzigartige Kulturlandschaft entstanden, mit zahlreichen charakteristischen Biotopen bzw. Ökosystemen (u.a. Bergwiesen, Steinrücken, Moore, Wälder unterschiedlichen Natürlichkeitsgrades). Diese erbringen vielfältige Dienstleistungen, die sowohl der einheimischen Bevölkerung beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze als auch den Bewohnern angrenzender Gebiete zu Gute kommen. Insbesondere die Freizeit- und Tourismuswirtschaft profitiert von einem strukturreichen, ästhetisch ansprechenden Landschaftsbild, das durch das Zusammenspiel von Bergen und Tälern, Wäldern, Bergwiesen und Gewässern ebenso wie von den charakteristischen Siedlungsformen und Baustilen (Waldhufendörfer, Streusiedlungen) geprägt wird.