Ökosystemdienstleistungen

Die Landschaft des (Ost-)Erzgebirges ist aufgrund der spezifischen Naturbedingungen und der jahrhundertelangen wirtschaftlichen Nutzung zu einer einzigartigen Kulturlandschaft gewachsen, mit zahlreichen charakteristischen Biotopen bzw. Ökosystemen (u.a. Bergwiesen, Steinrücken, Moore, Wälder unterschiedlichen Natürlichkeitsgrades). Diese erbringen vielfältige Dienstleistungen, die sowohl der einheimischen Bevölkerung beiderseits der deutsch-tschechischen Grenze als auch den Bewohnern angrenzender Gebiete zu Gute kommen, zum Beispiel im Hinblick auf die Wasserversorgung. Insbesondere die Freizeit- und Tourismuswirtschaft profitiert von einem strukturreichen, ästhetisch ansprechenden Landschaftsbild, das durch das Zusammenspiel von Bergen und Tälern, Wäldern, Bergwiesen und Gewässern ebenso wie von den charakteristischen Siedlungsformen und Baustilen (Waldhufendörfer, Streusiedlungen) geprägt wird.

Wie wichtig ein funktionierender Naturhaushalt mit seinen zahlreichen Ökosystemdienstleistungen ist, haben gerade im (Ost-)Erzgebirge die massiven Waldschäden der Vergangenheit sehr deutlich vor Augen geführt. Abgesehen von der Abnahme der forstlichen Holzerträge kam es zu Störungen des Wasserhaushaltes, zu Schädigungen der Pflanzen- und Tierwelt sowie zu einer starken Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. All dies hatte erhebliche negative Auswirkungen auf zahlreiche Wirtschaftszweige, wie Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft und Tourismus, zur Folge. Heute kann man eindrucksvoll studieren, wie sich mit der Verbesserung der Luftqualität die Wälder erholen und wie sich durch gezielte Landschaftspflegemaßnahmen (z.B. Bergwiesen- und Steinrückenpflege, Moorrenaturierung) zahlreiche Ökosystemdienstleistungen verbessern. Gleichwohl treten teils völlig neuartige Herausforderungen und landschaftsbezogene Konflikte auf, z.B. durch Veränderungen in der EU-Agrarpolitik, durch die Nutzung erneuerbarer Energien oder durch bestimmte touristische Aktivitäten. Im Rahmen des Projekts sollen ausgewählte, für das Erzgebirge besonders charakteristische Ökosysteme und deren Wohlfahrtsleistungen analysiert und bewertet werden.

Die besondere Rolle von Mooren für den Wasserhaushalt einer Landschaft, für den Ausgleich des Mikroklimas und als Lebensraum einer bemerkenswerten Pflanzen- und Tierwelt ist durchaus bekannt, wenn auch vielen Menschen nicht immer bewusst. Im dicht besiedelten Mitteleuropa vermitteln Moore den Eindruck letzter Oasen einer relativ unberührten Natur und ziehen interessierte Besucher an. Dort, wo sie für den Besucherverkehr erschlossen und mit Naturlehrpfaden ausgestattet sind, so wie das unmittelbar an der deutsch-tschechischen Grenze gelegene Georgenfelder Hochmoor, kommt ihnen eine Bildungsfunktion zu, indem sie z.B. zur Landschaftsgeschichte und zur Pflanzen- und Tierwelt informieren.

Steinrücken gehören zu den pflanzenartenreichsten Biotopen der Kulturlandschaft und stellen Rückzugsgebiete und Wanderkorridore für viele Tierarten dar. Sie bewirken positive mikroklimatische Effekte in ihrer unmittelbaren Umgebung. So mindern sie die Windgeschwindigkeit, erhöhen die Niederschlagsmenge (durch Festhalten des Regens und Auskämmen des Nebels sowie durch Anhäufung von Schnee), beschatten den Boden und schwächen die Wärmestrahlung ab. An Hängen schützen Steinrücken aufgrund ihrer dichten Durchwurzelung den Boden vor Erosion. Die Gehölzvegetation der Steinrücken filtert die Luft von Staub und anderen Partikeln. Sie gliedern die Landschaft und tragen durch ihre reichhaltige Naturausstattung erheblich zur Schönheit und Einmaligkeit des Ost-Erzgebirges bei (STUFA, o.J.). Wie der bisweilen unsensible Umgang mit Steinrücken – auch noch in der Gegenwart – zeigt, sind vielen Menschen deren vielfältige Funktionen bzw. Ökosystemdienstleistungen nicht bewusst.

Auch Bergwiesen zeichnen sich durch ihren hohen Anteil an blütenreichen, würzigen Kräutern und eine artenreiche Tierwelt aus. Blühende Wiesen üben auf den Naturfreund eine große Anziehungskraft aus und dienen als lohnendes Ausflugsziel, wie zum Beispiel die Geisingbergwiesen bei Altenberg. Artenreiche Bergwiesen bieten Erholungsmöglichkeiten, vermitteln einzigartige ästhetische Eindrücke und geben Gelegenheiten zu Naturbeobachtungen. Der Kräuterreichtum von Bergwiesen stellt eine wertvolle Genressource dar, z.B. in Bezug auf Heilkräuter und Gewürzpflanzen oder zur Gewinnung gebietsheimischen Saatgutes. Die unterschiedliche regionale Verbreitung spezifischer Grünlandtypen vermag deutlich zur regionalen Eigenart einer Landschaft beizutragen.

Analog haben auch weitere Ökosysteme des Ost-Erzgebirges (z.B. Fließgewässer und naturnahe Wälder) große Bedeutung für die Region, indem sie mannigfaltige Ökosystemdienstleistungen erbringen.

Aktuelle Trends im Tourismus orientieren auf Natur als Reiseziel, auf Gesundheit und hohe Qualität der Angebote bzw. Serviceleistungen. Reisen wird zunehmend auch dazu genutzt sich fortzubilden. Gerade im Segment des Naturtourismus wird für das Erzgebirge beträchtlicher Aufholbedarf attestiert (Landestourismusverband Sachsen 2008). Attraktive Umweltbildungsangebote können auch der nachhaltigen Regionalentwicklung dienen, indem sich Gäste mit dem Wert der Landschaft, ihren regionalen Besonderheiten und den von ihr hervorgebrachten Leistungen auseinandersetzen. Entsprechende, qualitativ hochwertige Angebote erhöhen den Bekanntheitsgrad der Region und helfen ihr, sich auf dem Gebiet des natur- und landschaftsbezogenen Tourismus besser zu positionieren. Gleichzeitig können durch die Sensibilisierung umweltverträgliche Verhaltensweisen bei den Touristen gefördert und so durch den Tourismus induzierte ökologische Belastungen minimiert werden. Viele Ökosystemdienstleistungen sind aber auch für andere Wirtschaftszweige bzw. gesellschaftliche Bereiche im (Ost-)Erzgebirge von essentieller Bedeutung. Verwiesen sei auf die Bereitstellung von Agrar- und Forstprodukten, auf die Regeneration von Trinkwasserressourcen, aber auch auf den Hochwasserschutz.